Der Niki Lauda der Umzugsbranche – Gerhard Radosztics im Interview

Der Niki Lauda der Umzugsbranche – Gerhard Radosztics im Interview

Es ist Freitag am späten Vormittag und mir gegenüber am anderen Ende des Laptops sitzt Gerhard Radosztics, Inhaber der Spedition GRAVO. Es ist das erste „persönliche“ Kennenlernen und man spürt intuitiv seine Energie und seinen Spirit, trotz der digitalen Einschränkungen.

Herr Radosztics, Sie sind bereits seit einigen Jahrzehnten in der Möbellogistik-Branche tätig, haben auch Speditionskaufmann gelernt. Wie ist es zu dieser Berufswahl gekommen?

Mit 15 gab es ein Vater-Sohn-Gespräch über meine berufliche Zukunft – lacht. Mein Vater war der Meinung, ich sollte in „alter Familientradition“ – auch Vater und Großvater waren in der Speditionsbranche tätig – eine Lehre zum Speditionskaufmann beginnen: „Du wirst Speditionskaufmann, Bub.“. Wie das früher halt so war, wurden die Wiener Speditionen gemeinsam abgeklappert und man wurde auf der Suche nach einer Lehrstelle persönlich vorstellig. Ich erhielt einen Ausbildungsplatz bei der Firma Kirchner & Co in der Freudenau und war im Bereich Dispo Deutschland tätig. Doch eigentlich war mir das „Paletten von A nach B schicken“ bald sehr fad. Nach ca. 6 Monaten fragte mich Herr Dipl.-Kfm. Feigl, damals mein Vorgesetzter bei der Firma Kirchner & Co, ob ich denn nicht „etwas mit Möbel machen wolle“. Das war der zündende Funke und Beginn meiner Karriere. Übersiedlungen zu organisieren ist jedes Mal auf’s Neue eine spannende Herausforderung, sehr vielfältig und man lernt viele neue Leute kennen. Nach dem Bundesheer und einem kurzen Ausflug in die Pharmaindustrie entschied ich 1999 für mich, wieder die Laufbahn in der Möbellogistikbranche einzuschlagen: Telefonbuch zur Hand, gelbe Seiten aufschlagen und die Unternehmen durchrufen. Kurz darauf startete ich bei der Firma Fuchs als Disponent. In den nächsten 18 Jahren habe ich gelernt, wie die Branche funktioniert, auf was es ankommt. Es war eine sehr interessante und wichtige Zeit, ich konnte das Unternehmen mitgestalten und mitaufbauen. 2017 war dann der richtige Zeitpunkt für die Selbstständigkeit gekommen und, um meine eigenen Ideen umzusetzen.

Vom Mitarbeiter zum Unternehmer, wie war dieser Schritt?

Mein erstes Büro war in der Europlaza. Am ersten Tag saß ich dann so allein an meinem Schreibtisch, mit einem Stift und meinen Unterlagen. Diese Startphase als Ein-Personen-Unternehmen dauerte ca. ein Jahr. Die Herausforderungen geboten, 2018 einen Partner ins Unternehmen zu holen. Gemeinsam mit Peter Minichmayr wurden dann die nächsten Wachstumsschritte gesetzt. Mittlerweile ist das Unternehmen wieder zu 100 % in meiner Hand. Heute besteht das GRAVO-Team aus 15 Personen, wir haben zwei Büros, eines im 22. Bezirk für die Bereiche Logistik, Dispo und Buchhaltung, ein Verkaufsbüro in der Inneren Stadt und unser Lager in Gerasdorf.

Ein Standbein der Firma GRAVO ist der Büromöbelshop, wie kam es dazu?

Im Zuge der Firmenübersiedlungen, hier liegt noch immer unser Fokus, wurde ich oft gefragt, ob ich die alten Büromöbel nicht auch gleich entsorgen könnte. Daraus entstand die nachhaltigere Lösung des Wiederverkaufs: ein kleines Lager mit 50 qm wurde in Gerasdorf angemietet – heute umfasst unser Lager 2000 qm. Aus der Idee ist ein online-Shop geworden, den wir in Kürze mit einem online-Aktionshaus ergänzen werden – quasi ein ebay für gebrauchte Büromöbel.

Ist dieses „Out-of-the-box-Denken“ für Sie ein Erfolgsfaktor in der Unternehmensführung?

Mein Motto ist „nur weil es immer so war, muss es nicht weiter so sein“. Ich denke, dass dieser Zugang wichtig ist, um Unternehmen erfolgreich zu führen. Ganzheitliches Denken, innovativ und aufgeschlossen zu sein, Ideen eine Chance zu geben, auch wenn am Ende des Tages vielleicht „lediglich“ Learnings das Ergebnis sind – just do it!

„Out of the box“ ist unser Ding.

Dass Sie gerne neue Wege gehen, sieht man zum Beispiel auch an Ihrem Imagevideo „Das Gewohnheitstier“, das in einer sehr ansprechenden und pointierten Weise die Bedürfnisse der Kunden widerspiegelt und Lösungen anbietet.

Ja, da sind wir entgegen aller Marketingempfehlungen einen völlig neuen Weg gegangen. Ich wollte ein Imagevideo das anders ist als alles, was es aktuell in der Branche gibt. Es sollte seriös, gleichzeitig auch amüsant, dynamisch und cool sein. Aus dieser Anforderung ist das Gewohnheitstier entstanden (bringt das symphatische blaue Testimonial ins Bild). Ein Firmenumzug ist nicht nur eine organisatorische Herausforderung. Vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet eine Übersiedlung Stress und hat manchmal auch negative Begleitaspekte, zum Beispiel einen längeren Arbeitsweg oder eine Änderung der Raumverhältnisse – weg vom Einzelbüro hin zum Großraumbüro. Dazu kommen noch Fragen, z. B. wie soll man alles einpacken, in welcher Reihenfolge, wie die Kartons beschriften und so weiter. Viele „Kleinigkeiten“, die in Summe als wenig angenehm wahrgenommen werden. Unser Ziel ist es, unseren Kunden das Leben so angenehm wie möglich zu machen, Komplexität herauszunehmen. Daraus ist auch der Slogan „Umzug kann auch schön sein“ entstanden.

„Umzug kann auch schön sein“ – welche Angebote haben Sie da für Ihre Kunden?

Zeitgerechte Planung ist besonders wichtig. Als Unterstützung haben wir für unsere Kunden to do-Listen entwickelt, was sollte 6 Monate, 1 Monat, 1 Woche vor dem Umzug getan werden. Die meisten Menschen sind keine Profis, wenn es um das richtige Verpacken geht. Hier bieten wir für die MitarbeiterInnen eigene Workshops an. All-inclusive-Pakete werden auch weitergedacht, da muss man sich nur im eigenen Büro umsehen (tut dies auch): Löcher verspachteln, ausmalen, Fußboden erneuern, eventuell rückbauen. Hier haben wir ein Netzwerk an Professionisten, die wir für den Kunden managen. Wenn gewünscht, machen wir auch die Übergabe der Räumlichkeiten an den Vermieter gemeinsam mit dem Kunden. Heute dreht sich die Welt schneller, die Kunden haben weniger Zeit – unser Angebot ist daher sehr individuell auf die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Kunden angepasst. Das hat den Vorteil, dass sie sich auf ihr eigentliches Business fokussieren können. Das ganzheitlich gedachte Leistungsangebot des GRAVO-Teams ist gleichzeitig ein „Sorglospaket“ für unsere Kunden.

Um so mehr wir den Kunden unterstützen, umso leichter es der Kunde hat, umso schöner ist der Umzug dann für ihn.

Stichwort Team: Mitarbeiter sind immer Teil der Erfolgsgeschichte eines Unternehmens. Was ist für Gerhard Radosztics als Chef besonders wichtig?

Die Mitarbeiter müssen zum Unternehmen passen, sich im Team wohlfühlen und es muss eine starke Zusammengehörigkeit da sein. Motivation ist ein wesentlicher Faktor – und hier gibt es ja viele Gestaltungsmöglichkeiten, zum Beispiel monetärer Art, Zugehörigkeit, Tätigkeitsbereich. Meine Philosophie ist es, dass unsere Mitarbeiter ein hohes Maß an Gestaltungsfreiheit haben und im Rahmen der Möglichkeiten sehr selbstständig arbeiten können. Persönlich zeichnen sich alle GRAVO-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch hohe Verlässlichkeit, Loyalität und eine starke Identifikation mit dem Unternehmen aus – sie sind stolz, ein GRAVO-T-Shirt zu tragen, mit einem GRAVO-LKW zu fahren.

Die gewerblichen Mitarbeiter stehen vor Ort im Fokus der Wahrnehmung des Kunden. Wie sehen Sie hier das Thema „berufliche Weiterbildung und Trainings“?

Sehr wichtig ist vor allem der Bereich Kommunikation und hier der Fokus „professionelle Kommunikation mit dem Kunden“, zum Beispiel „Wie stelle ich mich und mein Team vor.“. Traurig ist, dass das Bild des Möbelpackers in der Gesellschaft wenig wertschätzend ist. Dabei ist der Tätigkeitsbereich sehr vielschichtig, eigentlich ein Job für Allrounder: Pläne lesen, Verpackungstechnik, Transport, Ladetechnik, Montagetätigkeiten. Manchmal bin ich selbst vor Ort und packe mit an, wenn Not am Mann ist – am Abend spüre ich dann immer, was die Mitarbeiter tagtäglich leisten. Möbelpacker = Hilfsarbeiter ist nicht mehr zeitgemäß, es fehlt an einer qualifizierten Ausbildung, einem Lehrberuf und der Anerkennung, der diesem Jobprofil gerecht wird. Und: dadurch würden den Unternehmen auch gut ausgebildete Personen zur Verfügung stehen. Um dieses Projekt umzusetzen, braucht es eine starke Interessensvertretung für die Möbellogistiker – hier kommt der ÖMTV und seine Mitgliedsbetriebe ins Spiel. Gemeinsam können wir etwas bewegen.

In unserem Gespräch habe ich oft herausgehört, wie wichtig es Ihnen ist, etwas zu bewegen. Was ist für den Mensch Gerhard Radosztics Erfolg?

Aus Unternehmersicht: der Gewinn am Ende des Jahres. Doch der ergibt sich von selbst, wenn die Kunden glücklich sind. Ich möchte in meiner Arbeit neue Wege gehen, neue Ideen verwirklichen, neue Sichtweisen schaffen. Es ist inspirierend, Erfolgsgeschichten mitzuschreiben und Wissen teilen zu können. Vielleicht ein wenig esoterisch angehaucht, aber wenn ich gute Energie gebe, bekomme ich gute Energie zurück – eine win-win-Situation für alle.

Erfolg ist, anders zu sein als andere, so innovativ wie möglich zu sein und dass der Kunde das auch so wahrnimmt.

Mit wem würden Sie gerne bei einem Business-Brunch an einem Tisch sitzen und warum?

Es gibt viele interessante Top-Unternehmer, die mit ihren Ideen und mit ihrem Mut, neue Wege zu beschreiten die Welt verändert haben – Niki Lauda oder Elon Musk zum Beispiel. Persönlich besonders fasziniert hat mich, auch aufgrund persönlicher Gespräche mit ihm, aber Richard Lugner. Er mag zwar polarisieren, aber Tatsache ist, ganz Österreich kennt ihn. Und: noch mit 88 Jahren sprüht er vor Energie und Innovationsgeist – ein Vorbild für jeden Unternehmer.

Niki Lauda, vierfacher Airline-Gründer, sagte einmal in einem Interview „Ich hatte auf meinen Flügen genug Zeit nachzudenken, was mich an der Fliegerei stört und wie ich das besser mache.“. Er ging konsequent neue Wege und hat die Luftfahrt damit ein Stück weit revolutioniert. Themen neu zu denken und Innovationsphilosophie mutig zu leben charakterisieren auch Gerhard Radosztics. Am Ende des Interviews hat es mich daher zu der Headline „Der Niki Lauda der Umzugsbranche“ inspiriert. Vielen Dank für das nette Gespräch. [Autor: Manuela Stocker]

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